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Bibliodrama und Bibliolog als pastorale Lernorte von Aigner, Maria Elisabeth (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.02.2015
  • Verlag: Kohlhammer
eBook (PDF)
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Bibliodrama und Bibliolog als pastorale Lernorte

Bibliodrama- und Bibliologprozesse sind spezifische Entdeckungspraktiken, die exemplarisch Aufschluss über gegenwärtige pastorale Handlungsfelder geben können: Eine Gruppe von Menschen folgt der szenischen Struktur eines biblischen Textes. Die Teilnehmenden treten in Rollen ein und inszenieren ein Spiel. Lebensgeschichte und Text legen sich dabei wechselseitig aus. In solchen Prozessen kommt es zu einer unmittelbaren Konfrontation zwischen Existenz und Tradition, wobei die Teilnehmenden erfahren, dass das Evangelium Bedeutung für ihr Leben und ihren Glauben hat. Bibliodrama und Bibliolog sind methodisch planbare, in ihren Abläufen jedoch unkontrollierbare, ereignisreiche Phänomene, aus denen sich wertvolle Hinweise für gegenwärtige Kirchenbildungsprozesse ableiten lassen.

Ao. Prof. Dr. Maria Elisabeth Aigner lehrt Pastoraltheologie an der Universität Graz.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 418
    Erscheinungsdatum: 11.02.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170256323
    Verlag: Kohlhammer
    Größe: 3359kBytes
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Bibliodrama und Bibliolog als pastorale Lernorte

Einleitung

Bibliodrama ist ein gemeinschaftlich inszenierter, spielerischer Zugang zu biblischen Texten. Vor gut dreißig Jahren ist das Bibliodrama vorwiegend im evangelischen Bereich in Deutschland entstanden. Zu dieser Zeit - Anfang der 1980er Jahre - experimentierten an unterschiedlichen Orten Frauen und Männer mit Formen der Dramaturgie, bei denen mittels Rollenidentifikationen und wechselseitiger Interaktionsformen biblische Inhalte in Szene gesetzt wurden. Im Rahmen dieser Experimente entdeckte man, dass solche Inszenierungsvarianten einerseits den Teilnehmenden Selbsterfahrungsprozesse ermöglichen andererseits dabei die biblischen Texte eine neue Form der Auslegung erfahren. Diese experimentellen Varianten der Anfänge waren methodenplural angelegt und erforderten unterschiedliche Expertisen. Bibliodrama wurde so zunehmend auch zu einer disziplinübergreifenden Bewegung, die exegetische, pädagogische, psychologische und ästhetische Kenntnisse integrierte und deshalb nicht nur die Theologie berührte, sondern auch in die Felder der Psychologie, Pädagogik und des Theaters hineinreichte.

Das Faktum, dass in diesen Anfängen an unterschiedlichen Orten zugleich Ähnliches in Bewegung gekommen war, hatte bei den AkteurInnen Interesse und Neugier geweckt sich zu vernetzen und auszutauschen. Diese Vernetzungs- und Austauschprozesse geschahen häufig über persönliche Kontakte, relativ rasch aber auch über gegenseitige Einladungen zu Veranstaltungen an Akademien und in Tagungshäusern. Im Jahr 1994 kam es in Deutschland zur Gründung der "Gesellschaft für Bibliodrama" 1 , eine strukturelle Organisationsform und ein Versuch, die Bewegung zu institutionalisieren. Mittlerweile hat sich Bibliodrama aber auch interkonfessionell auf europäischer Ebene als vernetzte Bewegung etabliert, deren VertreterInnen regelmäßig mit anderen Religionen, Szenen und Kulturen in experimentelle Inszenierungen treten und auch Kontakte in andere Länder pflegen. 2004 kam es zur Gründung des "Europäischen Bibliodrama-Netzwerkes" (EBN) 2 .

Die Bibliodramabewegung integriert in sich eine überaus große Bandbreite an unterschiedlichen Ansätzen und Richtungen. Bibliodrama wird an verschiedenen Orten und in unterschiedlichen Kontexten praktiziert und verfolgt je nach methodischer Ausrichtung variabel eine eher exegetische, psychodramatische oder ästhetische Variante. In diese methodenplurale Vielfalt hatte sich bei einem Kongress in Deutschland 1998 auch die vom US-Amerikaner Peter Pitzele entwickelte Variante des "Bibliodrama als Midrasch" eingereiht. Innerhalb der Bibliodramaszene war man in der Folge von dieser "kleinen Form des Bibliodramas", die sich durch eine stärkere LeiterInnenzentriertheit und eine klarere Struktur auszeichnete, streckenweise überaus fasziniert. An anderen Orten wurden auch Kritik und Skepsis laut, vor allem, weil einige durch diesen Ansatz die Gefahr einer zu starken Leitungsdominanz witterten, bzw. weil in dieser Form die imaginierten Rollenphantasien nicht - wie beim Bibliodrama üblich - körperlich auf der Bühne ausgetragen wurden, sondern nur verbal zum Ausdruck kamen. Dennoch verfolgte eine Gruppe von deutschen BibliodramatikerInnen diese spezifische Form weiter. Ausgehend von Peter Pitzeles Ansatz entwickelte sich in der Folge der "Bibliolog" und mit diesem neuen Begriff auch eine neue, sich vom Bibliodrama in einigen wesentlichen Punkten unterscheidende Bewegung, die sich 2006 auch als europäisches Netzwerk formierte. 3

Was aber haben nun Bibliodrama und Bibliolog mit Kirche, Pastoral und Theologie zu tun und inwiefern stellen diese sehr spezifischen Bewegungen ein interessantes Handlungsfeld pastoraltheologischer Forschung dar? Bleiben diese sehr faszinierenden, aber auch herausfordernden Ansätze pastoral und wissenschaftlich-theologisch gesehen ein kirchlicher Sonderzustand und Ausnahmefall in der Nische, oder lassen sich gerade an diesen Orten wesentliche Merkmal

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