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Der Dekalog Eine retrospektive Betrachtung von Tonelli, Debora (eBook)

  • Verlag: Verlag Katholisches Bibelwerk
eBook (ePUB)
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Der Dekalog

Im Laufe der Jahrhunderte ist der Dekalog (die Zehn Gebote) zu einem Paradigma für ethischen und politischen Formalismus geworden: Nicht wie und warum er formuliert wurde, war wichtig, sondern nur, dass seine Gebote eingehalten wurden. Debora Tonelli beschreitet einen historisch-politischen Weg, auf dem der inneren Verpflichtung des Individuums ein besonderes Augenmerk geliehen wird. Das Bewusstsein dieses Weges, der als Modell für eine 'deontologische' Ethik betrachtet werden kann, führt einerseits zur Wiederentdeckung dieses kultur- und religionsgeschichtlich zentralen Textes und andererseits zur Kritik jeglichen ethischen und politischen Formalismus. Debora Tonelli, Dr. phil.; Dr. theol., geboren 1975, forscht am Zentrum für Religionswissenschaften der Bruno Kessler Stiftung (Trient) und lehrt in den Bereichen Politischen Philosophie und Politik und Religion sowie Bibelwissenschaften an verschiedenen Universitäten in Rom und Trient. Sie hat Philosophie, Theologie und alte semitische Sprachen studiert und 2005 in Politischer Philosophie in Rom promoviert und mit einer interdisziplinären Spezialstudie zum Thema 'Immagini di violenza divina nell'Antico Testamento. Un approccio estetico' 2012 den Dr. theol. an der Westfälischen Universität Münster erworben.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783460510401
    Verlag: Verlag Katholisches Bibelwerk
    Größe: 1837 kBytes
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Der Dekalog

Einleitung

Ganz auf der Linie der neuesten kritischen Studien wird die Bibel auch in dieser Arbeit wie jeder andere antike literarische Text analysiert. Das bedeutet, dass man ihn aus einer anderen Perspektive - und nicht in Antagonismus zum sakralen Wert dieses corpus von Texten - betrachten möchte. Bei dieser Entscheidung spielt keine polemische Absicht mit, sondern das Bedürfnis, mit einem offeneren Blick auf ein Werk zu schauen, dessen Bedeutung in der Bildung der abendländischen Kultur auch für die, die die religiöse Botschaft nicht teilen, maßgeblich ist.

Der Wissenschaftler, der Platon und Aristoteles studiert, aber auch der moderne Jurist, wissen, wie bedeutsam die Untersuchung des Wortschatzes ist, um den Gedankengang zu verstehen, aber auch, wie sehr dies mehr Probleme schafft, als es löst. Dasselbe gilt für die Bibel, und wir müssen sicher anerkennen, dass ihr Einfluss auf die Kulturgeschichte des Abendlandes dem der griechischen und lateinischen Klassik ebenbürtig ist. Daneben muss man dem biblischen Text auch eine politische Funktion zugestehen, und daher erschien es mir angebracht, mich mit einem der am meisten missverstandenen Texte des ATes zu beschäftigen: dem Dekalog.

Der Dekalog ist bekannter als die "Zehn Gebote", und sein Verständnis ist oft durch grundlegende Missverständnisse zunichtegemacht worden, die aus der ausschließlich religiösen Dimension seiner Zugehörigkeit und seiner Interpretation stammen und mit Kant deontologisch genannt werden können. Diese Studie will nicht eine Geschichte der Interpretation des Dekalogs sein. Sie will vielmehr durch Analyse und Diskussion einiger der vielen Fragen, die er stellt, schrittweise zum Bewusstwerden der Bedeutung dieses Textes führen.

Im Laufe der Studie fehlten mir Modelle, die mir die Synthese der theoretischen Aspekte mit den (unentbehrlichen) der literarischen Analyse hätten liefern können. Das Werk Crüsemanns, Bewahrung der Freiheit , hat mich in meinen Hypothesen bestärkt. Er versucht, jenseits der exegetischen Studie, Überlegungen weitgreifender gesellschaftspolitischer Art zu machen, aber diese Arbeit bleibt noch zu sehr einer theologischen Dimension verbunden. Ich habe mich dann mit der Studie von Marcello Gigante, Nomos Basileus , beschäftigen müssen, ein unverzichtbares Werk, um den Begriff nomos im alten Griechenland zu verstehen. Seine umfassende Untersuchung war auf das Objekt meiner Studie nicht anwendbar. Aus diesem Text habe ich wertvolle Klärungen und Ideen entnommen, aber er konnte kein Beispiel für die Untersuchung des biblischen Textes liefern. Noch weniger konnte ich als Beispiel die Texte zeitgenössischer Philosophen nehmen, die meistens den biblischen Text nicht genau untersuchen. Dennoch haben sie bei der Reflexion über den Begriff der Gleichheit und der Isonomie eine Rolle im Hintergrund gespielt. Im Laufe der Arbeit werden die griechische Tradition und die moderne Reflexion nur dann zum Einsatz kommen, wenn sie dazu beitragen können, durch Analogien und Unterschiede die Inhalte von Ex 20, 1-17 besser zu verstehen, sie sind aber nicht Objekt einer eigenen Abhandlung.

Obwohl er innerhalb eines corpus von Texten erscheint, die für heilig gehalten werden, bin ich zutiefst überzeugt, dass der Dekalog ein hauptsächlich politischer Text ist: er ist das erste Manifest der politischen Unabhängigkeit Israels, und deswegen ist er so leicht zusammen mit dem Exodus in den entscheidenden Momenten der abendländischen Geschichte aufgetaucht. Walzer hat in seiner kurzen, aber glänzenden Studie zum Exodus, Exodus and Revolution , an diese historischen Momente erinnert und den biblischen Exodus als Modell späterer Revolutionen dargestellt. Was Walzer nicht geklärt hat, ist, warum der Exodus zum Modell schlechthin der Revolution geworden ist, und ähnliche and

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