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Ethik im Justizvollzug Aufgaben, Chancen, Grenzen

  • Erscheinungsdatum: 11.12.2014
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
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Ethik im Justizvollzug

In der vorliegenden 'Ethik im Justizvollzug' spielen Fragen nach dem angemessenen Umgang mit Inhaftierten ebenso eine Rolle wie die Reflexion der Besonderheiten der Institution Justizvollzug. Welche Perspektiven kann eine Ethik im Justizvollzug in der interdisziplinären Auseinandersetzung entwickeln? Welche Ethikansätze sind hilfreich und welche Auswirkungen hat das Paradigma der Sicherheit auf die Überlegungen? Diese Themen werden ebenso erörtert wie professions- und organisationsethische Zugänge und die Chancen und Grenzen von Ethikkomitees. Mit Beiträgen von: Knut Wenzel, Martin W. Schnell, Michelle Becka, Dirk Fabricius, Rita Haverkamp, Jochen Bung, Markus Abraham, Dietmar Mieth, Hille Haker, Andreas Lob-Hüdepohl, Helen Kohlen, Harald Joachim Kolbe, Lothar Dzialdowski und Philipp Walkenhorst.

Dr. Michelle Becka ist Mitarbeiterin an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Gutenberg Universität Mainz im DFG-Projekt 'Ethik und Justizvollzug'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 247
    Erscheinungsdatum: 11.12.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170263093
    Verlag: Kohlhammer Verlag
    Größe: 7669 kBytes
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Ethik im Justizvollzug

Teil 1
Der Mensch im Strafvollzug -
Grundlagen und Grundfragen

Sicherheit als Zeichen der Zeit

Zeitdiagnostische und theologische Anmerkungen

Knut Wenzel

Es ist das Vorrecht mündiger Christinnen und Christen, ihrem Glauben in dessen inhaltlicher Bestimmung und der Theologie als dem Reflexions- und Begründungsdiskurs dieser Inhaltsbestimmung Fragen zuzumuten, die nicht schon auf die Gleise längst vorgespurter Antwortbahnen gesetzt sind, Fragen, die das Leben aufgibt. Wenn die systematische Theologie zum Thema Sicherheit als "Zeichen der Zeit" befragt wird, handelt es sich um eine solche sozusagen quer zu den theologischen Gleisen verlaufende Frage. Wie sich in den folgenden Überlegungen hoffentlich zeigen wird, zwingt die Frage dazu, einfache Oppositionen zu vermeiden; und sie verhilft dazu, neue Verbindungen zwischen theologischen Einzelthemen wahrzunehmen.
1. Einleitung: Begriffliche Klärungen

"Zeichen der Zeit": Alltagssprachlich bezeichnen wir damit ein Phänomen, das die gesellschaftliche, kulturelle, politische, das Zeitbewusstsein betreffende Situation prägt und/oder kennzeichnet. Die Rede von den "Zeichen der Zeit" hat demnach eine zeitdiagnostische Sinnspitze. In der Regel verbindet sich mit dieser Rede heute eine mehr oder weniger negative Konnotation: "Zeichen der Zeit" stehen für eine ambivalente, problematische, negative Zeiterscheinung. In diesem Sinn sind sie wohl auch in der mir aufgetragenen Themenstellung gemeint; in diesem Sinn tauchen sie auch zunehmend in kirchlichen Dokumenten auf.

Zugleich weiß man sich beim Gebrauch dieser Formulierung im kirchlichen Kontext irgendwie mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil verbunden; hat doch dort die katholische Kirche auf die "Zeichen der Zeit" reagiert. Es lohnt sich, das 'irgendwie' dieser Rückbindung kurz zu bestimmen: Die Rede von den Zeichen der Zeit erhält im kirchlichen Kontext ihre erste Bedeutungsbestimmung durch Papst Johannes XXIII., der sie mehrfach gebraucht. Auch seine Verwendung hat eine zeitdiagnostische Komponente. Jedoch meint er stets positive Aufbrüche in einem gesellschaftlichen Kontext der Ungerechtigkeit oder des Unheils; positive Aufbrüche, durch welche die Realisation dessen, was in der Botschaft Jesu und in der Verkündigung der Kirche 'Herrschaft Gottes' heißt, gewissermaßen realsymbolisch beginnt. Papst Johannes XXIII. nennt ausdrücklich die Arbeiterbewegung und die Emanzipation der Frauen. Weil in ihnen die Aufrichtung der basileia tou theou zwar anfanghaft und prekär, aber real und konkret greifbar ist, muss die Kirche auf die Zeichen der Zeit achten. 2

Diese positive Konnotation der Rede von den "Zeichen der Zeit" ist heute außer Gebrauch geraten. Auch das mag man (im problematischen Sinn) für ein Zeichen der Zeit halten. Wenn nun im Folgenden von der negativ eingefärbten Bedeutungsvariante der Formulierung Gebrauch gemacht wird, so hoffentlich dennoch eingedenk der Warnung Papst Johannes', kein Unglücksprophet zu sein.
2. Ambivalenzen der Sicherheit

Das Thema der Sicherheit kann in einer theologisch-zeitdiagnostischen Analyse keine eindeutige Beurteilung erfahren. Einfache Oppositionen, etwa nach dem Schema "Sicherheit hier - Freiheit dort", stehen einer präzisen Analyse nicht zur Verfügung. Nicht nur Ambivalenzen, sondern "Sicherheitsparadoxien und Risikodilemmata" sind einer Diagnose Hartmut Böhmes zufolge Signet einer Moderne, deren "Standardposition [...], nämlich Fortschritt durch Erhöhung von Sicherheit zu stabilisieren", durch die reale Krisengeschichte der Moderne infrage gestellt ist. 3 Vor langem schon hatte Hans Blumenberg in der Ent-Sicherung der Welt ein wesentliches Merkmal des Säkularisierungsprozesses erkannt: "Wenn die Welt nicht mehr zugunsten des Menschen vorversichert ist, ist auch die Wahrheit über sie nicht mehr selbstverständlich für ihn disponibe

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