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Gemeinsame Tagzeiten Motivation - Organisation - Gestaltung von Budde, Achim (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.09.2013
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (PDF)
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Gemeinsame Tagzeiten

Die Wiederbelebung des Stundengebets in den Gemeinden ist seit dem 2. Vatikanischen Konzil nur selten gelungen. Warum? Die vorliegende Untersuchung versucht eine Antwort auf diese Frage zu geben, indem sie den bislang unbeachteten Aspekt der Organisation in die Analyse einbezieht: Welches geistliche Movens führte unter welchen pragmatischen Bedingungen zu welcher liturgischen Gestalt? Und welche Modifikationen werden heute notwendig, wenn der Gottesdienst z. B. ehrenamtlich oder in einem citypastoralen Kontext durchgeführt wird? Die Ergebnisse überraschen und stehen teils im Widerspruch zu verbreiteten Auffassungen. Einer Bewährungsprobe sind die wissenschaftlichen Erkenntnisse seit Jahren im Bonner Mittagsgebet und in der Initiative Ökumenisches Stundengebet ausgesetzt. Das Buch dokumentiert auch solche Erfahrungen aus der gottesdienstlichen Praxis.

PD Dr. Achim Budde ist Leiter der Bildungsstätte Burg Rothenfels am Main und Privatdozent für Alte Kirchengeschichte und Liturgiewissenschaft an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 350
    Erscheinungsdatum: 05.09.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170264328
    Verlag: Kohlhammer Verlag
    Größe: 4396 kBytes
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Gemeinsame Tagzeiten

(A) Motivation

David Holeton charakterisierte die inzwischen vollendete Reform des Book of Common Prayer folgendermaßen: "Jetzt aber wurde zum ersten Mal seit der Reformation die Grundfrage gestellt: Zu welchem Nutzen oder mit welchen Zielen sollte das Tagzeitengebet bestimmt sein, und auf welcher Grundlage sollte es gestaltet sein?" 1 Die Frage nach dem theologischen Movens soll auch in dieser Studie das erste große Themenfeld sein, auf dessen Grundlage dann über die organisatorischen Bedingungen und über Konsequenzen für die liturgische Gestaltung in der Praxis reflektiert wird.

Historisch und logisch ist der Ausgangspunkt dafür der einzelne Christ, die einzelne Christin: ihr Glaube, ihre Interpretamente der sie umgebenden Wirklichkeit, ihr Verhältnis zu Gott. Aus diesen Faktoren leitet sich die zunächst private Gebetspraxis ab. Erst auf deren Grundlage hat sich dann sekundär, wo immer es technisch möglich war, auch der gemeinsame Vollzug entwickelt - aus Motiven heraus, die als theologisches Plus über die Begründung des Privatgebets hinausgehen. Schließlich tritt als dritte Ebene der Auftrag der Glaubensgemeinschaft gegenüber ihrer Außenwelt hinzu. Der Unterscheidung dieser drei Ebenen entspricht die Kapitelaufteilung des ersten Teils.
I. Der Einzelne - Leben aus dem Gebet

Vor über 40 Jahren beschrieb Dorothee Sölle den gesellschaftlichen Stellenwert des Gebetes folgendermaßen: "Beten gilt dem gegenwärtigen nachchristlichen Bewußtsein als Ersatzhandlung [...] dessen, der zu wirksamem Handeln nicht fähig oder nicht willens ist." 2 Und obwohl das ausgehende 20. Jahrhundert als eine seiner "echten Überraschungen" 3 auch eine neue Wende zum Religiösen brachte, ist die Krise des Gebetes dadurch keineswegs überwunden oder auch nur gemildert worden. Vielmehr schlägt sich die neue Religiosität vielfach in Vorstellungen nieder, die entweder kein personales oder kein wirkmächtiges oder kein hinreichend transzendentes Gottesbild kennen und deshalb zwar Kontemplation und Meditation, aber kein Gebet im klassischen Sinne für sinnvoll erachten. Die Beantwortung der "schöpfungstheologischen 'Gretchenfrage': Wie hältst Du es mit dem Gebet?" 4 fällt dann negativ aus. Warum also beten? Diese Frage steht heute wieder so dringlich und grundsätzlich im Raum, wie sie sich bereits den ersten christlichen Apologeten stellte. Im Folgenden soll nachgezeichnet werden, inwiefern die christlichen Grundinterpretamente der Wirklichkeit - sie nämlich erstens als Schöpfung und zweitens als Heilszeit zu verstehen - den einzelnen Christen zum Gebet, zu Anbetung, Lobpreis und Bitte motivieren, und warum sie schließlich zu dem Anspruch führen, jeder Christ und jede Christin solle häufig und intensiv beten.

Nach Karl Rahner ist und bleibt das Gebet jedes einzelnen Christen die theologisch entscheidende Ebene - auch für das gemeinsame und das gottesdienstliche Gebet 5 . Für die liturgia horarum spiegelt sich diese Priorität auch in der historischen Entwicklung wider: Tägliches Gebet wurde den Gläubigen als Basis ihrer christlichen Existenz zunächst im privaten Vollzug, erst später auch in Gemeinschaft anempfohlen. Die Frage, welchen Sinn die Tagzeitenliturgie für das Gebetsleben des Einzelnen entfalten kann, ist deshalb nicht allein durch die Untersuchung liturgischer Zeugnisse zu beantworten. Denn jener Sinn, den das private Gebet im Alltag des Einzelnen erfüllt, wird gewissermaßen in den Gottesdienst mitgenommen. Dort wird er zwar um neue Aspekte ergänzt, bleibt aber weiterhin in Kraft: Dasselbe Movens, das die einzelnen Gläubigen überhaupt zum Beten antreibt, soll dann auch bei der Teilnahme am gemeinsamen Gebet zur Geltung kommen können. Es bleibt daher ein wichtiger Maßstab für Organisation und Gestaltung des täglichen Gottesdienstes.
1. Geschöpflichkeit

Die erste grundlegende Voraussetzung christlichen Betens ist der Schöpferglaube.

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