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Normalfall Sonntagsgottesdienst? Gottesdienst und Sonntagskultur im Umbruch

  • Erscheinungsdatum: 19.03.2008
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (ePUB)
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Normalfall Sonntagsgottesdienst?

Der Sonntagsgottesdienst gilt traditionell als Mitte und Kennzeichen kirchlichen Lebens, bis heute erscheint er im kirchlichen und öffentlichen Bewusstsein als 'Normalfall' des Gottesdienstes. Seit geraumer Zeit aber haben sich das Teilnahmeverhalten und die Gestaltungsformen verändert, die Sonntags- und Wochenendkultur befindet sich im Umbruch. Zugleich hat sich das Feld gottesdienstlichen Lebens weit ausgefächert, Fest-, Kasual- und besondere Gottesdienste sind, auch in der praktisch-theologischen Wahrnehmung der letzten Jahre, in den Vordergrund getreten. Vor diesem Hintergrund fragen die Autorinnen und Autoren dieses Bandes nach der 'Normalität' des Sonntagsgottesdienstes, seinen gegenwärtigen Bedingungen und künftigen Perspektiven. Prof. Dr. Kristian Fechtner lehrt Praktische Theologie an der Universität Mainz. Dr. Lutz Friedrichs ist Leiter der Gemeinsamen Arbeitsstelle für gottesdienstliche Fragen der EKD (GAGF).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 19.03.2008
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170283268
    Verlag: Kohlhammer Verlag
    Größe: 8175 kBytes
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Normalfall Sonntagsgottesdienst?

Kristian Fechtner / Lutz Friedrichs
Einleitung

"Evangelischer Gottesdienst: Sonntag 10.00 Uhr" - so gibt eine fest installierte Tafel am Ortseingang mit der Silhouette eines Kirchengebäudes kund. Traditionell gehört beides zusammen, Sonntag und Gottesdienst. Wer vom Gottesdienst im Allgemeinen spricht, hat zumeist den Sonntagsgottesdienst im Sinn. Dies gilt für jene, die regelmäßig kommen, wie für diejenigen, die sich selten oder nie einfinden. Nun zeichnen sich seit geraumer Zeit in der Wochenendkultur, in die Sonntag und sonntäglicher Gottesdienst eingebettet sind, erhebliche Umbrüche ab. Nicht allein das Muster gottesdienstlicher Teilhabe, sondern auch die Gestaltungsformen des Sonntagmorgengottesdienstes haben sich verändert. Der Kirchgang hat in der Moderne immer stärker seinen Charakter als Sitte verloren, demgegenüber sind Gottesdienste mehr und mehr zu Veranstaltungen geworden, deren Besuch durch einen je besonderen Anlass motiviert ist. Nicht selten tragen die Gottesdienste am Sonntagmorgen einen jeweils eigenen Akzent: im ersten findet eine Taufe statt, der zweite wird durch den Gesangverein musikalisch gestaltet, der dritte wird als Familiengottesdienst gefeiert.

Das Fragezeichen, das im Buchtitel auftaucht, markiert auf mehreren Ebenen praktisch-theologische Herausforderungen. Es lässt danach fragen, ob es angesichts einer mittlerweile breit ausgefächerten gottesdienstlichen Kultur in den evangelischen Kirchen überhaupt angemessen ist, von einem "Normalfall" zu sprechen. Ist der sonntägliche Gottesdienst "normaler" als der Heiligabendgottesdienst, und wenn ja für wen? Oder: Ist der Sonntagsgottesdienst, anders als ein Salbungs- oder ein Einschulungsgottesdienst, deshalb "normal", weil er nichts Besonderes zu bieten hat? Was schwingt "normativ" mit, wenn von einem Normalfall die Rede ist, ist alles andere dann - geduldete oder erhoffte - Ausnahme? Seit den 1960er Jahren ist der "gottesdienstliche Spielplan" (Peter Cornehl) insgesamt vielfältiger geworden. Zielgruppenorientierte Gottesdienste im Blick auf unterschiedliche Lebenslagen, -formen, -phasen und -stile fächern die liturgische Praxis hierzulande aus. Dem entspricht, dass sich die praktisch-theologische Diskussion in den letzten Jahrzehnten verstärkt mit denjenigen Gottesdiensten beschäftigt hat, die jenseits des Sonntagstaktes liegen. Längst sind Festtagskirchgängerinnen rehabilitiert, werden alternative Gottesdienstformen begutachtet oder ungewöhnliche Gottesdienste zu besonderen Gelegenheiten erkundet. Wird damit der allsonntäglich gefeierte Gottesdienst ebenfalls zu einer besonderen Gestalt unter vielen?

In der Praxis ist das differenzierte gottesdienstliche Angebot ein Gewinn, es hat neue Zugänge geschaffen und ermöglicht, Gottesdienst in unterschiedlicher Weise zu erleben. Wenn die Zeichen nicht trügen, dann gibt es aber gegenwärtig auch das Bedürfnis, sich zu konzentrieren - die Logik der Vervielfältigung zeitigt nicht selten Ermüdungserscheinungen. Welche Kraft steckt in der Normalität eines Sonntag-für-Sonntag-Gottesdienstes?

Gelegentlich begegnet die Hoffnung, man könne sich wieder neu auf eine einheitliche Form des (sonntäglichen) Gottesdienstes konzentrieren, der dann noch einmal die Mitte der Gemeinde darstellen soll. Praktisch-theologische Reflexionen sind an dieser Stelle nüchterner. Der Sonntagsgottesdienst lebt als religionskulturelle Praxis von Bedingungen, die er nicht selbst hervorbringt. Dass an ihm lediglich eine kleine Zahl der Evangelischen (regelmäßig) teilnimmt, gründet einerseits in einer Kirchlichkeit, die moderne Lebensverhältnisse charakterisiert, und andererseits in der Art und Weise, wie heute Wochenende gelebt wird. Die Einsicht in die begrenzte Reichweite des Sonntagsgottesdienstes spricht nicht gegen seine sorgsame liturgische und homiletische Gestaltung. Sie legt aber nahe, ihn nicht mit theologischen Zuschreibungen und kirchlichen Anforderungen zu überlasten, d

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