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Soziokulturelle Milieus und Kirche Lebensstile - Sozialstrukturen - kirchliche Angebote von Ahrens, Petra-Angela (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.04.2013
  • Verlag: Kohlhammer
eBook (ePUB)
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Soziokulturelle Milieus und Kirche

In den letzten Jahren ist in Deutschland ein neues Instrument zur besseren Wahrnehmung von Stärken und Schwächen der Kommunikation des Glaubens und der kirchlichen Praxis eingesetzt worden: die Analyse soziokultureller Milieus. Sie bietet so etwas wie eine Lupe, um die Verhaftetheit kirchlicher Praxis in den Erfahrungsformen und Lebensstilen der Menschen überhaupt sehen zu können. Damit werden die jeweiligen lebensstilbezogenen Attraktoren bzw. Distanzierungsmechanismen deutlich und auch prinzipiell analysierbar. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht eine umfassende Milieuanalyse anhand einer Repräsentativbefragung bei den Evangelischen im Gebiet der größten deutschen Landeskirche: der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Zum ersten Mal wird hier das Verfahren der Korrespondenzanalyse zur Klärung des Verhältnisses Kirche und Milieus angewendet.

Dipl.-Sozialwirtin Petra-Angela Ahrens ist Referentin, Prof. Dr. Gerhard Wegner ist Direktor des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland (SI der EKD), Hannover.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 208
    Erscheinungsdatum: 25.04.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170271005
    Verlag: Kohlhammer
    Größe: 26475 kBytes
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Soziokulturelle Milieus und Kirche

Einleitung

Die vielfältigen Debatten der vergangenen Jahre über einen Umbau der Kirche, der gleichzeitig den gestiegenen Anforderungen in Sachen Kommunikation des Glaubens und den verringerten Ressourcen der Kirche gerecht werden muss, haben immer wieder das Thema der Reichweite eben dieser Kommunikation hochkommen lassen. Die Frage: Wen erreichen wir eigentlich (noch)? - beschäftigt viele Pfarrkonvente, Kirchenleitungen, kirchliche Einrichtungen und Arbeitsbereiche. Warum kommen immer nur diese Menschen und nicht jene zu unseren Veranstaltungen? Wie könnten wir neue Menschen für die Kirche und den Glauben gewinnen? Wie könnten wir wieder wachsen und mehr Bedeutung gewinnen - statt nur zu schrumpfen? Wer hat Geschmack an der Kirche und am Glauben - und wer nicht?

Die Kirche organisiert sich nicht für sich selbst, sondern hat ihre Existenzberechtigung ausschließlich darin, Menschen mit dem christlichen Glauben in Berührung zu bringen. Nicht die Inklusion in Kirche als solche ist folglich das alleinige Ziel, sondern sie ist lediglich der - allerdings: einzig mögliche - Weg, Menschen mit Erscheinungsformen des Glaubens - was immer das näher hin bedeutet - bekannt zu machen und sie in Formen des Austausches im Glauben hineinzuziehen. Die Beteiligung an der Kommunikation des Glaubens in diesem Sinne ist wiederum der entscheidende Indikator dafür, dass Menschen möglicherweise zum Glauben an Gott gefunden haben. Ohne Beteiligung an der sichtbaren Gestalt der Kirche in ihren vielfältigen Facetten geht es folglich nicht - aber diese sichtbare Gestalt hat nur funktionale Bedeutung und darf sich nicht vor die lebendige Begegnung der Menschen mit dem Evangelium schieben. Selbstkritik an der Verselbständigung ihrer eigenen Formen ist deswegen der Kirche inhärent und treibt sie in ihrer Organisationsentwicklung voran.

Diese Zielbestimmung verdichtet sich in der kirchlichen Arbeit in besonderer Weise neben diakonischen, bildungsbezogenen und anderen Aufgaben in ihrem missionarischen Auftrag. Dieser Auftrag besteht darin, eine Einführung in die Kommunikationsformen des Glaubens für Menschen möglich zu machen, die daran bisher nicht beteiligt bzw. aus irgendwelchen Gründen vielleicht sogar ausgeschlossen sind. Die Gründe für eine Beeinträchtigung der Teilhabe an dieser Kommunikation können verschiedener Art sein. Blickt man auf die Situation in Deutschland, so handelt es sich vielfach um negative Erfahrungen, die mit Gestalten des Glaubens gemacht worden sind und sich in seiner Ablehnung verdichten, ohne eine eigene Beteiligung an dieser Kommunikation überhaupt noch in Erwägung zu ziehen. Wenn sich eine entsprechende Haltung über längere Zeit verdichtet und verstetigt hat, kann dies zu einer betonten Indifferenz gegenüber Formen von Religion und Glauben überhaupt führen, die dann schwer aufzubrechen ist. Es gibt dann keinerlei Nachfrage mehr nach Glauben, an die kirchliche Arbeit anknüpfen könnte: Diese Nachfrage nach den eigenen Angeboten muss vielmehr erst geweckt werden. Wer z. B. nicht mehr weiß oder wenigstens spürt, dass der Glaube an Gott mit der Erlösung von elementarer Schuldverstricktheit zu tun hat, an der jeder und jede Anteil hat und sich selbst für einen tollen Kerl hält - der braucht offensichtlich erst einmal wieder die Einsicht darin, dass er oder sie so toll und so harmlos, wie er es von sich selbst meint, beileibe nicht ist. Einführung in den Glauben ist Einführung in den elementaren Zirkel eigenen Selbst-Verstehens, in dem Schuld, Leid und Erlösung gekoppelt sind; jedenfalls ist das eine nicht ohne das andere zu haben.

Allerdings klingt die Problematik so beschrieben simpler, als sie tatsächlich ist. Denn mit dem Begriff "Glauben" ist nichts wirklich Eindeutiges gesagt. Glauben differenziert sich individuell, gruppen- und milieubezogen aus - ja es ist, abgesehen von bestimmten hochsymbolisch verdichteten Formeln ("Gottvertrauen") - schwer die Einheit zu identifizieren,

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