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'Was wäre gewesen, wenn...?' Alternativweltgeschichtliche Literatur 1990-2010 von Batzke, Alexander (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.02.2015
  • Verlag: Bachelor + Master Publishing
eBook (PDF)
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'Was wäre gewesen, wenn...?' Alternativweltgeschichtliche Literatur 1990-2010

Das vorliegende Fachbuch beschäftigt sich mit dem Thema der kontrafaktischen beziehungsweise parahistorischen Alternativweltgeschichte. Es geht sowohl um den Bereich des Geschichtsschreibers als auch um den des Dichters. Anfangs wird sich dem Bereich der Geschichtswissenschaft gewidmet, wobei erörtert wird, welche Einwände gegen kontrafaktische Fragen vorherrschen und welchen Nutzen sie im Gegenzug haben können. Anschließend wird die Seite des Dichters behandelt, wobei das literarische Genre des alternativweltgeschichtlichen Romans untersucht wird. Es geht darum, das bislang eher weniger bekannte Phänomen einem Genre zuzuordnen und schließlich exemplarisch anhand von fünf Romanen herausragende Vertreter desselben zu analysieren. Bei diesen fünf Romanen handelt es sich um 'Fatherland' von Robert Harris, 'Der 21. Juli' von Christian von Ditfurth, 'Stimmen der Nacht' von Thomas Ziegler, 'Morbus Kitahara' von Christoph Ransmayr und 'Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten' von Christian Kracht. Die bisherige Beschäftigung mit alternativweltgeschichtlicher Literatur beschränkte sich zumeist auf englischsprachige Romane, was darauf zurückzuführen ist, dass dieses Phänomen im anglo-amerikanischen Raum wesentlich ausgeprägter ist als im Deutschen. In dieser Arbeit wird nun der Blick auf die deutschsprachigen Vertreter gelenkt, wobei gleichsam als Prototyp für das Genre Robert Harris' Roman 'Fatherland' die einzige englischsprachige Ausnahme sein soll. Am Ende eines jeden Bereichs wird darüber hinaus ein didaktischer Ansatz präsentiert. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern das Dargestellte eine Bereicherung für den Geschichts- beziehungsweise Deutschunterricht sein könnte

Alexander Batzke, M.Ed., wurde 1986 in Bottrop geboren. Sein Studium der Germanistik und Geschichte an der Ruhr-Universität Bochum schloss er im Sommersemester 2013 mit dem akademischen Grad des Masters of Education ab. Im November desselben Jahres begann

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 67
    Erscheinungsdatum: 01.02.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783955499884
    Verlag: Bachelor + Master Publishing
    Größe: 993kBytes
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'Was wäre gewesen, wenn...?' Alternativweltgeschichtliche Literatur 1990-2010

Textprobe: Kapitel 3, Aus der Perspektive des Dichters: Parahistorische Literatur: 3.1, Überblick: Die Gattung der parahistorischen Literatur ist ein vergleichsweise junges Phänomen. 1899 erschien mit Edmund Lawrences Roman It May Happen Yet: A Tale of Bonaparte's Invasion of England die erste durchgängige Darstellung einer parahistorischen Welt. Zuvor waren jedoch schon vereinzelte alternativweltgeschichtliche Fragestellungen in literarischen Werken oder Essays erschienen. So wird in William M. Thackerays Vanity Fair von 1847 die Frage diskutiert, was passiert wäre, wenn Napoleon später aus dem Exil zurückgekehrt wäre. Heinrich Heine fragt in seinem Wintermärchen von 1844 in Form eines Gedichts, was wohl passiert wäre, wenn Varus bei der Schlacht im Teutoburger Wald im Jahre 9 n. Chr. die Germanen besiegt hätte. Seine wirkliche Blütezeit erlebte der parahistorische Roman jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg in den Vereinigten Staaten und Großbritannien. Während darauffolgend in unterschiedlichsten Ländern wie Mexiko, den Niederlanden oder Italien parahistorische Erzählungen erschienen, begann in Deutschland diese Bewegung erst in den ausgehenden 80er und beginnenden 90er Jahren. Erst mit dem internationalen Erfolg von Robert Harris' Roman Fatherland von 1992, so scheint es, kam der parahistorische Roman in Deutschland an. Danach wurden viele internationale Werke dieser Art ins Deutsche übersetzt und es erschienen auch die ersten eigenen Romane deutschsprachiger Autoren. Doch warum erlebte gerade in den 90er Jahren das Genre einen solchen Boom in Deutschland? Was war der Grund für das plötzliche Interesse an Alternativweltgeschichte? Vielleicht hat sich im Zuge der Wiedervereinigung Deutschlands, dem Fall des Eisernen Vorhangs und den damit verbundenen posthistorischen Theorien eine neue Form der Vergangenheitsbewältigung in der deutschen Mentalität herausgebildet. Die in den späten 80er und 90er Jahren entwickelten posthistorischen Theorien von Lyotard, Baudrillard, Fukuyama, Niethammer und Sloterdijk passen zur kontrafaktischen Geschichtsauffassung. In der Posthistoire-Theorie gehen die Autoren davon aus, dass die Geschichte auf ein sinnbringendes Ende ausgerichtet ist. Entlehnt aus der Evolutionstheorie befände sich die Menschheit in einem soziokulturellen Entwicklungsprozess, der im Begriff sei, zur selbst reproduzierenden Struktur zu erstarren. Ab einem gewissen Punkt, der für viele der Autoren erreicht ist, träten keine epochalen Ereignisse mehr ein, die die vorherrschende Geschichte radikal verändern könnten. Beispielsweise beschreibt der Amerikaner Francis Fukuyama in seinem 1992 veröffentlichten Buch The end of history and the last man die Entwicklungen der großen Regime des 19. und 20. Jahrhunderts und stellt fest, dass das Ziel eines jeden Staates die Entwicklung zur liberalen Demokratie ist. What I suggested had come to an end was not the occurrence of events, even large and grave events, but History: that is, history understood as a single, coherent, evolutionary process, when taking into account the experience of all peoples in all times. [...] Liberal democracy remains the only coherent political aspiration that spans different regions and cultures around the globe. Für Deutschland zeigt sich dies ganz besonders. Innerhalb eines Jahrhunderts war das Land geprägt von Monarchie und den 'two major rival ideologies - fascism and communism', um schließlich in einer Staatsform liberaler Demokratie zu enden. Wenn also das evolutionäre Ziel der Weltgeschichte erreicht wurde, ist es vielleicht nun gestattet, sich rückblickend auch mit Alternativweltgeschichte zu befassen. Eine weitere Auffälligkeit ist, dass die parahistorischen Romane sehr häufig als Sujet die Geschichte des 20. Jahrhunderts, zumeist die des Nationalsozialismus beziehungsweise des Zweiten Weltkriegs behandeln. Vermutlich herrscht hier ein besonderes Bedürfnis nach der Frage 'Was wäre gewesen, wenn...?' 3.2, Gattung

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