text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Chuzpe, Schmus & Tacheles Jiddische Wortgeschichten von Althaus, Hans P. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.08.2015
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
8,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Chuzpe, Schmus & Tacheles

Wussten Sie, dass taff kein englisches, sondern ein jiddisches Wort ist und gut bedeutet? Hier hat sich stikum eine falsche Verbindung mit tough eingeschlichen, wobei stikum wiederum kein lateinisches, sondern ebenfalls ein jiddisches Wort ist. Schmus ist dagegen die Meinung, der Neujahrswunsch 'Guten Rutsch!' komme aus dem Jiddischen. Hans Peter Althaus redet in diesem Buch Tacheles. In rund hundert kurzweiligen Wortgeschichten erzählt er, wie Macke und Maloche, Massel und Schlamassel, Reibach und Pleite neben vielen anderen jiddischen Wörtern Eingang in die deutsche Sprache gefunden haben. Der Gebrauch der Wörter und ihr Nebensinn haben sich im Laufe der Zeit verschoben, aber immer noch stehen sie für geistreiche Polemik, überlegenen Witz und feine Ironie.

Hans Peter Althaus war Professor für Germanistische Linguistik an der Universität Trier und ist einer der führenden Experten für den jiddischen Lehnwortschatz im Deutschen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 176
    Erscheinungsdatum: 28.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406685637
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 2610kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Chuzpe, Schmus & Tacheles

1. Unerwartetes

Wer den jiddischen Wörtern im Deutschen nachspüren will, muß sie in der Fülle des deutschen Wortschatzes erst einmal auffinden. Das ist nicht mehr so leicht wie früher, als das Wissen um diese Ausdrücke weit verbreitet war und sie von Juden und Christen gebraucht wurden. Bei deutschen Juden gehörten sie zum sprachlichen Erbe. Kindern, die sich ihrer jüdischen Herkunft kaum bewußt waren, erschienen sie als Familienwörter, die nicht einmal das Personal verstand.[ 1 ] Mit ihnen konnte man eine Aussage besonders betonen, aber auch die Verwandtschaft provozieren wie mit dirty words.[ 2 ] Manche Juden schämten sich dieser Wörter und suchten sie deshalb konsequent zu vermeiden.[ 3 ] Andererseits ließen sie sich zu mancherlei Zwecken einsetzen, von der internen Kommunikation bis zu besonderen Effekten in der öffentlichen Rede oder in der Presse.[ 4 ] Vor allem aber durfte man sich durch Kenntnis und Verwendung dieser Ausdrücke dem Judentum zugehörig fühlen, selbst wenn man sie wie Karl Kraus für "Ekelworte" hielt.[ 5 ]

Bereits mit einem einzigen Wort ließ sich das Jüdische im ganzen aufrufen. Stefan Zweig wählte daher in seinem Lebensrückblick "Die Welt von Gestern" mit Golus anstelle von Exil oder Diaspora einen jüdischen Ausdruck, der für Juden mit der Konnotation einer zweitausendjährigen Leidensgeschichte besetzt ist und den Wissenden im Jahr 1941 die Situation des jüdischen Volkes eindringlich vor Augen führte.[ 6 ] Er wird von Stefan Zweig in seiner Autobiographie nicht erklärt, dürfte aber heute kaum noch verstanden, geschweige denn in seinem vollen geschichtlichen, religiösen und kulturellen Gehalt gewürdigt werden.[ 7 ]

Daß Wörter aus dem Jiddischen, die von Juden in ihrer Alltagsrede verwendet wurden, mehr zur Sprache brachten, als es der Sonderwortschatz einer kleinen Bevölkerungsgruppe sonst vermocht hätte, war schon jüdischen Kindern klar. Ludwig Greve schreibt dazu in seinen Erinnerungen an die Kindheit: "Allemal schien es sich um so verwickelte Zustände zu handeln, daß die normalen Wörter nicht griffen. Vor den Gojim, das versteht sich, wurde nie so geredet, da genügte die Alltagssprache."[ 8 ] Die Gojim waren in der jüdischen Ausdrucksweise die Nichtjuden, von denen man sich durch Herkunft und Schicksal, aber auch durch den Sonderwortschatz unterschied.

Das spiegelt sich auch in einer Anekdote, die Hans Ostwald 1928 noch einmal neu erzählt hat. Auf die Frage, ob sie sogenannte jüdische Ausdrücke noch kenne, antwortet eine assimilierte Jüdin: "Gar nicht, höchstens noch nebbich und melancholisch."[ 9 ] Mit dieser Antwort wird darauf angespielt, daß die deutschen Juden den jüdischen Wortschatz am Ende der Weimarer Republik öffentlich kaum noch gebrauchten und ihn auch im privaten Verkehr mehr und mehr vermieden. Angesichts des wachsenden Antisemitismus gibt melancholisch die Stimmung unter den Juden so treffend wieder, daß es als jüdischer Ausdruck angesehen wird. Und schließlich vermag die Frau nicht zwischen eigentlich jüdischen Ausdrücken wie nebbich [ 10 ] und anderen Wörtern zu unterscheiden.

Christen war der jüdische Wortschatz weithin auch deshalb ein Buch mit sieben Siegeln, weil sie seine Bestandteile manchmal gar nicht als jüdisch erkannten. Das ist heute noch mehr der Fall, weil selbst Gebildete ein Wort wie Mauscheln nicht mit dem jidd. Personennamen Mausche 'Moses' in Verbindung bringen und deshalb die jahrhundertelange Geschichte dieses Wortes in der deutschen Sprache nicht angemessen beurteilen können.[ 11 ] Sonst wäre man nach 1945 mit der Wiederbelebung eines tabuisierten Ausdrucks vielleicht sensibler umgegangen. Ein Wort wie Zoff , das heute in aller Munde ist, wird eher der für Comics typischen Lautmalerei zugerechnet als aus dem Jiddischen hergeleitet.[ 12 ]
Pseudolateinisches

Golus Be

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen