text.skipToContent text.skipToNavigation

Das narzisstische Subjekt zwischen Traum, Spiel und Wirklichkeit. Versuch einer Studie zu Richard Beer-Hofmanns Erzählung 'Der Tod Georgs' von Bauerkämper, Alexander (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 24.09.2015
  • Verlag: GRIN Verlag
eBook (ePUB)
16,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Das narzisstische Subjekt zwischen Traum, Spiel und Wirklichkeit. Versuch einer Studie zu Richard Beer-Hofmanns Erzählung 'Der Tod Georgs'

Studienarbeit aus dem Jahr 2012 im Fachbereich Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft, Note: 1,0, Freie Universität Berlin (Institut für Deutsche und Niederländische Philologie), Veranstaltung: Traumliteratur um 1900, Sprache: Deutsch, Abstract: Mit dieser Arbeit will ich zunächst herausfinden, welcher Art der Narzissmus des Protagonisten im 'Tod Georgs' ist und wie dieser auf die äußere, ihn irritierende Welt reagiert. Anschließend werde ich auf die Form und Funktion des Traums in Bezug auf Pauls vermeintliche innere Wandlung eingehen. Abschließend soll versucht werden, die Frage nach der Entwicklungsfähigkeit dieses Narzissten auf Basis der zuvor gemachten Erkenntnisse zu beantworten. Ende der 1890er-Jahre verfasste Richard Beer-Hofmann eine Erzählung, deren Ausgang bei vielen Lesern Zweifel an der Echtheit der dort beschriebenen Metamorphose hervorruft: Wir lernen Paul, den Protagonisten der 1900 erschienen Erzählung 'Der Tod Georgs', als einen Ästheten kennen, der die Welt und die Menschen nur als Spiegelfläche seiner eigenen Empfindungen wahrnimmt und der aufgrund der Erschütterung seiner narzisstischen Identität mehr oder weniger bewusst 'nach einer Lösung für seinen defizitären Realitätsbezug sucht' (HEUSER 2010: 67). Schlussendlich scheint er diese in der Besinnung auf seinen jüdischen Ursprung zu finden. Wie und ob Paul seinen Narzissmus am Ende der Erzählung überwindet oder noch überwinden wird, ist in der Forschung umstritten. Ich will in dieser Arbeit die Annahme in Zweifel ziehen, dass Paul eine 'Wiedergeburt' (SOKEL 1988: 8) erfährt und 'daß Beer-Hofmanns Produktion auf ein Überwindung der Einsamkeit schließen läßt' (ELSTUN 1986: 179; Hervorh. im Orig.). Ich möchte dabei nicht auf historisch-biographische Aspekte oder Aussagen des Autors zurückgreifen, um meinen Standpunkt zu vertreten. Denn bereits eine Analyse der innerhalb des Textes liegenden Strukturen inhaltlicher wie formaler Art können zeigen, ob eine tatsächliche Abkehr von der narzisstischen Lebensform Pauls stattfindet bzw. stattfinden kann . Es soll damit dazu beigetragen werden, den Text als solchen besser zu verstehen und zu würdigen, dass er sich von der Autorintention und seiner Historizität zu emanzipieren vermag .

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 41
    Erscheinungsdatum: 24.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783668052987
    Verlag: GRIN Verlag
    Größe: 435kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Das narzisstische Subjekt zwischen Traum, Spiel und Wirklichkeit. Versuch einer Studie zu Richard Beer-Hofmanns Erzählung 'Der Tod Georgs'

3 Form und Funktion des Traums

Im Tod Georgs wird ein Topos der Romantik, nämlich das Verschmelzen von Traum und Wirklichkeit, auf inhaltlicher wie formaler Ebene konsequent vollzogen. Mit dem Traum als 'Welt in der Welt' [15] findet Beer-Hofmann außerdem ein hervor-ragend geeignetes Konzept, um die Wirkungsweisen des Ästhetizismus aufzuzeigen. Diese Verschmelzung erfolgt dadurch, dass sich der 'Modus' des Traums stilistisch, erzähltechnisch oder bezüglich des Realitätsgehalts (Zeitlichkeit, Räumlichkeit) nicht vom Wachzustand unterscheidet. Beide Zustände werden aus der Innenperspektive Pauls erzählt, weshalb auch in beiden eine Art Gleichzeitigkeit aus gedanklicher Kohärenz und Inkohärenz freier Assoziationen dominiert und weshalb man über Formulierungen nicht stolpert, die andernorts eventuell als Traumindikatoren zu verstehen wären ("Turmuhr holte stöhnend zum Schlag aus", 11). Die äußere Handlung beschränkt sich jeweils auf ein Minimum. Auch im Traum finden sich Reflexionen und Erinnerungen, die wie Tagträumereien wirken (und somit eigentlich Träume im Traum sind). Bis auf die alptraumartige Bewegungs- und Artikulations-unfähigkeit Pauls am Ende seines Traums (vgl. 52) erfüllt dieser alle physikalischen Gesetzmäßigkeiten, die auch die Wirklichkeit charakterisieren.

Interessant ist in dieser Hinsicht der Übergang zwischen dem ersten und zweiten Kapitel, also die Schnittstelle zwischen Wach- und Traumzustand. Dort sind Satzteile und semantische Elemente zu erkennen, die sich wiederholen und hierdurch eine Verzahnung der beiden Zustände erzeugen [16] . Die Einbindung dieser 'rezenten Gedanken' erinnert an Freud (vgl. Freud 1964: 145-164). Überhaupt ist das 'Traum-material', also der Inhalt des Traums, wesentlich von Pauls Erlebnissen am Vortag geprägt. Je länger der Traum aber andauert, umso seltener finden sich 'rezente' Bilder, Gedanken und Ereignisse' (vgl. Tempelorgie, 19-33). Dort spielen Erinnerungen und Gefühle aus früheren Zeiten eine größerwerdende Rolle (vgl. 'das Infantile als Traumquelle' bei Freud 1964: 164-188) [17] . Das Besondere an der Schnittstelle (10 f.) ist die Tatsache, dass sich die wiederholenden Elemente auf engstem Raum semantisch spiegeln . Beim Einschlafen liegt Paul in einer kühlen Nacht im "mondhell[en]" (10) Zimmer und wacht im Traum zu einer "stechenden Nachmittagssonne" (11) wieder auf. Das "offene Fenster" (10) lässt mit dem Wind einen Duft herein beim Einschlafen. Im Traum ist ein Fenster mit vorgezogenen Vorhängen verschlossen, bei zwei weiteren Fenstern, sind sogar "die Läden geschlossen" (11). Der Traum also als Spiegel der Wirklichkeit, selbstverständlich gefiltert durch die Subjektivität Pauls. Denn klar wird, dass alles im Traum " einen gemeinsamen Ort [und eine gemeinsame Herkunft hat], das Bewußtsein Pauls" ( Scheible 2009: 127; Hervorh. im Orig.) [18] . Die geträumten Episoden genauso wie die Figuren, sie alle sind Analogien, Spiegelscherben seiner Persönlichkeit.

Er stand schweratmend da; seine geballte Faust fühlte er voll schneidender Glassplitter [...]. Der Oberkörper der Kranken war aufgerichtet ; [...][sie starb]. Paul schrie auf, aber er hörte seine Stimme nicht, sie erstickte in ihm; und nochmals schrie er , und nun fühlte er, daß etwas riß. Seine eigene Stimme stieg gellend auf - - - und er war wach. Schwer atmend saß er in seinem Bett aufrecht. (52; meine Hervorh.)

Bei der ersten Lektüre lässt sich der Leser aus den genannten Gründen sofort darauf ein, zu glauben, dass zwischen dem ersten und zweiten Kapitel ein Zeitsprung von sieben Jahren stattfindet und dass Paul die Frau, die ihn im ersten Kapitel streift, geheiratet hat und dass

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen