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Marquis de Sade: Philosoph oder Sadist? von Franz, Andrea Edith (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.02.2014
  • Verlag: Science Factory
eBook (ePUB)
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Marquis de Sade: Philosoph oder Sadist?

Mord, Sex und Nekrophilie, Folter und Kannibalismus - das waren die literarischen Themen des adeligen Schriftstellers Marquis de Sade. Mit seinen Skandalen und obszönen Schriften, die sich irgendwo zwischen roher Aufklärungsphilosophie und Pornografie bewegen, schockierte der Marquis nicht nur seine Zeitgenossen, sondern auch die Nachwelt. Zweifellos spielt bei den de Sadeschen Werken die Faszination am Bösen und devianter Sexualität eine besondere Rolle. Dieser Band beleuchtet Leben, Werk und Erbe des berüchtigten Marquis. Aus dem Inhalt: Die Tugend und das Böse in Marquis de Sades Werk Zum Glücksbegriff Philosophie und Sex bei de Sade Im Fokus: Justine und Juliette, Die hundertzwanzig Tage von Sodom, Die Philosophie im Boudoir Der Marquis und die Décadence: Einflüsse und Verbindungen https://www.xing.com/profile/Bastian_Bammert

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 121
    Erscheinungsdatum: 03.02.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783656583837
    Verlag: Science Factory
    Größe: 686 kBytes
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Marquis de Sade: Philosoph oder Sadist?

Der Glücksbegriff im Sadeschen Werk

"Wenn wir, erfüllt von nichtiger, belachenswürdiger und abergläubischer Bewunderung für unsere widersinnischen gesellschaftlichen Gepflogenheiten, dennoch in nichts als Dornen greifen, während die Schurken Rosenblüten pflücken, rechnen sich dann die aus Überzeugung, Vorliebe oder Veranlagung naturgemäß lasterhaften Menschen nicht aus, daß es allem Vermuten nach vorteilhafter sei, sich vom Laster mitreisen zu lassen, als sich ihm zu widersetzen? Behaupten sie nicht, und zwar mit einigem Anschein von Vernünftigkeit, daß die Tugend, so schön sie auch sein möge, gleichwohl die schlechteste Wahl darstelle, die man treffen könne, wenn sie sich als zu schwach erweise, den Kampf gegen das Laster auszufechten, und daß es, in einem durch und durch durchlasterten wie dem gegenwärtigen, am sichersten sei, es den anderen gleichzutun? Erklären die, wenn man so will, philosophisch ein bißchen besser Bewanderten nicht mit dem Engel JESRAD und ZADIG, daß es kein Übel gäbe, aus dem nicht etwas Gutes entstehen könne, und daß sie sich infolgedessen nach Belieben dem Bösen hingeben dürften, da dieses in Tat und Wahrheit nur eine Spielart des Guten sei? Fügen sie nicht noch mit einiger Stichhaltigkeit hinzu, daß es dem allumfassenden Plan der Natur gleichviel gelte, ob dieser oder jener vornehmlich gut oder böse sein; daß es, solange die Tugend vom Unglück verfolgt, das Verbrechen aber vom Erfolg gekrönt werde und beide in den Augen der Natur gleichwertig seien, unendlich viel scharfsinniger wäre, sich auf die Seite der schicksalsgesegneten Schurken zu schlagen als auf jene der stets scheiternden Schüler der Tugend?

Es sei nicht länger verhehlt, daß wir, um ebendiese Lehrgebäude weiter zu untermauern, der Öffentlichkeit die Geschichte der tugendhaften Justine vorführen werden. Es ist unerlässlich, daß die einfältigen Toren endlich davon ablassen, dieses lächerliche Götzenbild der Tugend zu beweihräuchern, die ihnen dies bislang nur mit Undank vergolten hat, und daß sich die gemeinhin aus Überzeugung all den aufreizenden Ausschweifungen des Lasters und der Wollust frönenden Leute von Geist durch die augenfälligen Beispiele von Glück und Wohlergehen bestätigt sehen, von denen sie nahezu unvermeidlich auf dem überbordenden Lebensweg ihrer Wahl begleitet werden.[...] Solcherart ist die Gesinnung, die unsere Arbeit leiten wird; in Ansehung dieser Beweggründe werden wir die kynischste Sprache mit den rücksichtslosesten und gewagtesten Lehrsätzen, mit den lasterhaftesten und lächerlichsten Anschauungen verknüpfen und mit beherztem Wagemut das Verbrechen wirklichkeitsgetreu beschreiben: erhaben in nie abbrechendem Siegesrausch und zufrieden in ewiger Glückseligkeit; gleicherweise aber werden wir die Tugend so darstellen, wie man sie erblickt: allenthalben verdrossen, verhärmt und selbst in ihrem Unglück stets besserwisserisch." [41]
"Justine, du Dummerchen; du bist zwar schöner als ich, wirst aber niemals ebenso glücklich werden."

Durch ein Unglück werden die Schwestern Justine und Juliette unerwartet Vollwaisen. Um ihr Vermögen betrogen, können sie in dem Kloster, indem sie bisher erzogen wurden, nicht mehr bleiben. Vor die Tür gesetzt, müssen sie sich neu orientieren und ihre Wege trennen sich – der einen Glück soll der anderen Leid sein. Justine, die jüngere der Schwestern, ist die einfältigere. Zwar anziehender als ihre Schwester ist sie jedoch von Natur aus schwermütig. So erfasst sie die ganze Grausamkeit

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