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Das europäische Alphabet Kyrilliza 1100 Jahre Abenteuer einer Schrift von Oschlies, Wolf (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.01.2017
  • Verlag: Wieser Verlag
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Das europäische Alphabet Kyrilliza

Russisch würde man ja gern lernen, wäre da nicht dieses schreckliche Alphabet, kyrillisch (oder wie es heißt)... Weg mit diesem frequenten Selbstbetrug! Kyrillisch schreiben zahlreiche Nichtslawen (z. B. rumänische Moldover) und sechs slawische Völker, darunter unser EU-Partner Bulgarien, weswegen seit Frühjahr 2013 immer mehr Euro-Scheine mit drei Schriften kursieren: EURO (Lateinisch), EYPO (Griechisch) und EBPO (Kyrillisch). Kyrillisch verweist auf den Heiligen Kyrill (um 827-869), der zusammen mit seinem älteren Bruder Method von Papst Johannes Paul II. 1980 zum Schutzpatron Europas proklamiert wurde. Kyrilliza (und ihr Vorläufer Glagoliza) sind reine 'Retorten'-Schriften, mit Anfängen im Geschichtsdunkel, zumal von Kyrill und Method nichts Schriftliches überliefert ist. Natürlich hat der Heilige Kyrill direkt nichts mit dem Kyrillischen zu tun, da dieses erst 893 offizielle Schriftnorm wurde. Details breitet Wolf Oschlies in seinem jüngsten Wieser-Buch aus - zu Geschichte und Verbreitung der Kyrilliza bei Slawen und Nichtslawen, zu Reformen und Verirrungen dieser Schrift, zu ihrer Bedrohung (durch frühsowjetische Schriftengegner), Gefährdung (z. B. durch lateinisch codierte PC) und Wiederbelebung (durch Tourismus und Buchmessen), zur Situationskomik ihrer Verwendung, zu politischen Scherzen wie jüngst 'Putins höfliches Alphabet' etc. Von wegen 'schweres' kyrillisches Alphabet! Oschlies sagt (aus jahrzehntelanger Lehrerfahrung) 'Njet'! Sechs oder sieben kyrillische Lettern (/J/OMATEK) sind wie im Lateinischen, die anderen schön, dekorativ und kinderleicht zu lernen. Ausprobieren! Wolf Oschlies, Jahrgang 1941, wuchs in der DDR auf, wo er nach seinen Worten 'eine absolute Seltenheit erlebte': einen guten Russischunterricht. Nachdem er 1959 'in den Westen abgehauen' war, studierte er Slawistik und machte nach Promotion (1966) und Habilitation (1977) drei Berufe daraus: Wissenschaftler in einem Forschungsinstitut der Bundesregierung, Hochschullehrer an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und Publizist in Deutschland und darüber hinaus. Seit 2002 ist er im Ruhestand, bleibt aber fleißiger Wieser-Autor mit einem Buch pro Jahr.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 10.01.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783990470312
    Verlag: Wieser Verlag
    Größe: 3319 kBytes
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Das europäische Alphabet Kyrilliza

Einführung
(in historische und politische Nebelfelder)

In Südosteuropa finden sich hundertfach ältere Ikonen und neuere Statuen, die die Gebrüder Kyrill (Konstantin, 826-869) und Method (Michael, 815-885) aus Thessaloniki zeigen. Die beiden wurden am 30. September 1880 von Papst Leo XIII. heiliggesprochen und 1980 (zusammen mit Benedikt von Nursia) von Papst Johannes Paul II. zu Schutzpatronen Europas erhoben. Wobei sich Slawen besonders angesprochen fühlen, auch die Lausitzer Sorben in Deutschland, die noch 60.000 Angehörige zählen. Seit 1862 besteht bei ihnen eine "Towarstwo Cyrila a Metoda (TCM)", also ein "Cyrill-und-Method-Verein". Kyrill und Method werden oft als "Slawenapostel" apostrophiert, was aber nach dem polnischen Slawisten Brückner unkorrekt ist: Die Brüder aus Thessaloniki waren keine gott-gesandten Himmelsboten (wie es "Apostel" sind), haben keine Slawen bekehrt und getauft, wohl aber "christliche Slawen gelehrt", müssen also "Lehrer" genannt werden. Das ist auch so geschehen, wiewohl der Ehrenname "Slawenapostel" weiter in Gebrauch ist (auch in vorliegender Darstellung).

Vor langen Jahren habe ich einmal in einer TV-Sendung gefordert, dass man auch die makedonischen Schüler von Kyrill und Method, Kliment (um 840-916) und Naum (um 830-910) zu europäischen Ehren erheben sollte. Wichtig ist, dass man Kyrill und Method als Begründer slawischer Schriftkultur kennt und weiß, dass ohne Kliment und Naum aus ihrem Werk nicht viel geworden wäre. Was Erstere begannen, haben Letztere vollendet. Kliment und Naum konnten etwas den Geschichtsnebel lichten, der Kyrill und Method versteckt - ungeachtet der rund 10.000 Studien, die bislang über sie verfasst wurden. 1862 stellte der russische (deutschstämmige) Ethnograph und Linguist Aleksandr T. Gil'ferding (1831-1872) einige erhellende Fragen, die bis heute kaum beantwortet sind: "Wann wurde das slawische Alphabet erfunden? Wurde die Kyrilliza von Kyrill erdacht? Welches Verhältnis haben die gegenwärtigen Slawen zu Kyrill und Method?"

Natürlich gibt es nicht wenige aktenkundige Belege zur Existenz der Slawenapostel, bis hin zu Briefen der Päpste Johann VIII. und Stephan V., aber wir kennen kein einziges schriftliches Zeugnis von Kyrill und Method, nicht den kleinsten Autographen aus ihrer Hand. Demgegenüber verfügen wir über mindestens 30 Lehren, Predigten, Hymnen etc., die Kliment namentlich zweifelsfrei zugeordnet werden können, und noch einmal so viele, bei welchen die Experten seit Jahrzehnten um Kliments Urheberschaft streiten. Wenn wir von Naum nichts Vergleichbares haben, dann hat das Gründe politischer Vertraulichkeit, auf die ich weiter unten eingehe.

Alle Ikonen, Statuen etc., die Kyrill und Method mit Schriftrollen in den Händen zeigen, irren zweifach. Zum einen, weil von ihnen (wie erwähnt) nichts Schriftliches überliefert ist, und zum anderen, weil "schreiben" damals vor allem "abschreiben" bedeutete: In den Klöstern gab es Bibliotheken, "Scriptorien", "Musterbücher" und Vorlagen, die klösterlichen Statuten verpflichteten die Mönche zum Schreiben, wobei die Aufträge von kirchlichen oder weltlichen Autoritäten kamen. Waren Kyrill und Method, Vertraute und Gesandte des Kaisers von Byzanz, solche Schreibknechte? Schließlich ist da noch ein dritter Irrtum, der die Groteske streift: Kyrill und Method werden mit Schriftrollen in kyrillischer Schrift abgebildet, z. B. auf ihrem Denkmal im Innenhof der Skopjer "Universität Kyrill und Method"! Diese Schrift gab es noch gar nicht, denn zu Zeiten der Slawenapostel und von ihnen wurde glagolitisch geschrieben. Kyrillisch wurde erst später "erfunden".

Meine liebe Mutter hat zeitlebens (sie wurde nur 55 Jahre alt) ein "Familienbuch" geführt, in das sie alles eintrug, was ihr bedeutsam erschien, bis Anfang 1949 in "deutscher" oder "Sütterlin"-Schrift, danach in lateinischer Schrift. Ich

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